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Dienstag, 1. Mai 2012

„To make a prairie [...]“ von Emily Dickinson

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Emily Dickinson

Sonntag, 29. April 2012

„Dieser Blütenzweig“ von Fujiwara No Hirotsugu







Dieser Blütenzweig
schließt in jedem Blütenblatt
hundert Worte ein,
die ich gerne dir gesagt -
Bitte, nimm ihn freundlich an -

Fujiwara No Hirotsugu







Samstag, 28. April 2012

„Morgensonne“ von Joachim Ringelnatz

Morgensonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich “Euer Gnaden”.
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz 

Freitag, 27. April 2012

„Einer Toten“ von Detlev von Liliencron


Einer Toten 

Ach, dass du lebtest!
Tausend schwarze Krähen,
Die mich umflatterten auf allen Wegen,
Entflohen, wenn sich deine Tauben zeigten,
Die weissen Tauben deiner Fröhlichkeit.
Dass du noch lebtest!
Schwer und kalt bedrängt
Die Erde deinen Sarg und hält dich fest.
Ich geh nicht hin, ich finde dich nicht mehr.
Und Wiedersehn?

Was soll das Wiedersehn,
Wenn wir zusammen Hosianna singen
Und ich dein Lachen nicht mehr hören kann?
Dein Lachen, deine Sprache, deinen Trost:

Der Tag ist heut so schön. Wo ist Chasseur?
Hol aus dem Schranke deinen Lefaucheux,
Und geh ins Feld, die Hühner halten noch.
Doch bieg nicht in das Buchenwäldchen ab,
Und leg dich nicht ins Moos und träume nicht.
Pass auf die Hühner und sei nicht zerstreut,
Blamier dich nicht vor deinem Hund, ich bitte.
Und alle Orgeldreher heut' verwünsch ich,
Die mit verlornem Ton aus fernen Dörfern
Dir Träume senden - dann gibt's keine Hühner.
Und doch, die braune Heide liegt so still,
Dich rührt ihr Zauber, lass dich nur bestricken.

Wir essen heute Abend Erbsensuppe,
Und der Margaux hat schon die Zimmerwärme;
Bring also Hunger mit und gute Laune.
Dann liest du mir aus deinen Lieblingsdichtern,
Und willst du mehr, wir gehen an den Flügel
Und singen Schumann, Robert Franz und Brahms.
Die Geldgeschichten lassen wir heut ruhn.
Du lieber Himmel, deine Gläubiger
Sind keine Teufel, die dich braten können,
Und alles wird sich machen.
Hier noch eins:
Ich tat dir guten Kognak in die Flasche.
Grüss Heide mir und Wald und all die Felder,
Die abseits liegen und vergiss die Schulden,
Ich seh' indessen in der Küche nach,
Dass uns die Erbsensuppe nicht verbrennt.

Dass du noch lebtest!
Tausend schwarze Krähen,
Die mich umflatterten auf allen Wegen,
Entflohen, wenn sich deine Tauben zeigten,
Die weissen Tauben deiner Fröhlichkeit.
Ach, dass du lebtest!

Detlev von Liliencron 

carrot cake

lecker!
Ich habe mir seit langem mal wieder eine Backzeitschrift gegönnt. Dieses Mal ist es die LECKER Bakery geworden. Darin habe ich in der Rubrik Leserrezepte diesen carrot cake gefunden, der von Fabio Haebel, der in Hamburg die Tarterie St. Pauli führt, stammt. Natürlich musste ich das Rezept gleich ausprobieren!

Zutaten für eine Springform (Durchmesser ca. 26 cm):
Butter und Grieß für die Form
250g braunen Zucker
5 Eier
1 Messerspitze Zimt
Mark von 1 Vanilleschote / 1 Messerspitze gemahlene Vanille
1 Prise Salz
250g gemahlene Mandeln
250g geraspelte Karotten
250g Mehl
1 TL Backpulver

Frosting:
250g Frischkäse
100g kalte Butter
150 - 300g Puderzucker

Heizt den Backofen schon einmal auf 170°C vor. Währenddessen fettet die Springform mit Butter ein und streut sie mit Grieß aus. Das sieht dann ungefähr so aus: 


Wenn der Grieß bei euch wie bei mir nicht überall gleich gut kleben bleiben will, macht das nichts, der Kuchen gelingt trotzdem! 

Jetzt könnt ihr mit dem Teig beginnen: Verrührt Zucker, Salz, Eier und Zimt mit einem Handrührer oder einer Küchenmaschine. Wenn sich die Zutaten gut mit einander verbunden haben, gebt die Karotten und die Mandeln dazu und rührt sie gut unter. Zum Schluss fügt ihr Mehl und Backpulver hinzu. 

Kuchenteig sollte man nie unbeaufsichtigt lassen
Füllt den Teig in die Springform und schiebt ihn für ungefähr 35 Minuten (170°C, vorheizt) in den Ofen. Wenn er fertig ist, gut auskühlen lassen! Das ist bei Karottenkuchen für mich immer ein Test, ob ich meine Ungeduld unter Kontrolle habe. Wenn man nämlich zu früh versucht, ihn aus der Form zu lösen, kann es passieren, dass er total zerbricht. Also habe ich dieses Mal lieber etwas länger gewartet und der Kuchen ist glücklicherweise heil geblieben. 

Wenn der Kuchen abgekühlt und sicher aus der Backform geborgen ist, ist die Zeit reif für das Frosting:
Verrührt Frischkäse und Butter mit Handrührgerät oder Küchenmaschine, dann gebt nach und nach den Puderzucker dazu und rührt weiter, bis eine homogene Masse entsteht. Zu meinen kryptischen Mengenangaben für den Puderzucker: Im Originalrezept waren 300g angegeben - das kam mir ein bisschen zu viel vor, deshalb habe ich das nach Gefühl und mit regelmäßigem Probieren gemacht. Insgesamt müssten es dann ungefähr 150g geworden sein. Haltet einfach die Probierlöffel und oder Finger bereit und macht die Masse so süß, wie es euch schmeckt. Das fertige Frosting streicht ihr auf den Kuchen und schon ist der carrot cake fertig und kann verspeißt werden!

Alle, die ein Stückchen davon ergattern konnten, haben den Kuchen sehr gelobt. Ich finde, diese Variation des klassischen Rüblikuchens mit dem Frosting, ist erfrischend anders und noch dazu einfach köstlich!

Donnerstag, 26. April 2012

„Im Frühling“ von Eduard Mörike

Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, all-einzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandern und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldner Kuss
mir tief bis ins Geblüt hinein;
Die Augen wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich und weiß nicht recht nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
- Alte unnennbare Tage!

Eduard Mörike

Mittwoch, 25. April 2012

„Sonnenuntergang“ von Josef Guggenmos

Sonnenuntergang

Stumme Feier. Glühend rot
sinkt die Sonne des Tages
auf den nahen Hügelrücken.

Sie berührt den Hügel. - Da
huscht ein eiliges Insekt
naht von rechts heran ein Radler.

Zierlich, dunkel naht er, taucht
in die runde rote Freude,
ist mittendrin, kommt links hervor.

Kommt hervor und radelt fort,
radelt heim und weiß es nicht,
dass er durch die Sonne ritt.

Josef Guggenmos